Zum Hauptinhalt springen

Einführung

In den vorherigen Kapiteln haben wir die Grundlagen des kritischen Denkens kennengelernt. Nun wenden wir uns einer zentralen Frage zu: Was ist ein gutes Argument?

Bevor wir gute von schlechten Argumenten unterscheiden, klären wir in den ersten Teilen, was Argumentation überhaupt ist, welche Rolle sie spielt und wie ein Argument aufgebaut ist.

Wozu wir argumentieren

Wir benutzen Argumente im Alltag und in Diskussionen, um unsere Ansichten zu begründen, unsere Standpunkte zu untermauern und andere Menschen zu überzeugen. Argumentationen sind dabei meistens Dialoge, bei denen wir Gründe anführen, um eine Behauptung zu stützen.

Wir argumentieren aber nicht immer mit demselben Ziel. Die folgenden Beispiele zeigen typische Gesprächssituationen:

  • Manchmal argumentieren wir kooperativ, um gemeinsam die beste Lösung zu finden.
Beispiel

Beispiel einer kooperativen Argumentation

  • Hans: Bei welchem Telefonanbieter bist du denn?
  • Lotte: Bei Billig-Tel
  • Hans: Und bist du zufrieden mit dem Service? (Was sind deine Gründe?)
  • Lotte: Die haben freie SMS und ausreichend Mobildaten für einen guten Preis. (Grund eins und zwei etc..)
  • Manchmal wollen wir jemanden überreden, indem wir ihre Meinung ändern und ihr zeigen, dass es besser geht.
Beispiel

Beispiel einer überredenden Argumentation mit Gründen

  • Hans: Bist du immer noch bei Schmutz-Energie GmbH?
  • Lotte: Ja klar, schon seit Jahren, werd ich auch bleiben.
  • Hans: Aber jetzt gibt's doch EasyGreen. Die sind günstig, benutzen nur erneuerbare Energien und sind eine lokale Kooperative. (Grund eins, Grund zwei, ...)
  • Lotte: Die Umwelt ist mir egal, aber günstig und lokal klingt gut, zeig mal her. (Gründe werden abgewiesen oder akzeptiert)
  • Oft benutzen wir aber eher Emotionen wie Angst oder Hoffnung, um Menschen zu überreden oder zu überzeugen.
Beispiel

Beispiel einer überredenden Argumentation mit Emotionen

  • Hans: Wir müssen mehr für Verteidigung ausgeben.
  • Lotte: Warum?
  • Hans: Sonst ist bald die Armee von Putin in Europa.
  • Manchmal argumentieren wir gegeneinander, wie oft in der Politik.
Beispiel

Beispiel einer gegeneinander gerichteten Argumentation

  • Hans: Die Regierung will die Erbschaftssteuer erhöhen. Ist das nicht schrecklich.
  • Lotte: Dass Dir das nicht gefällt, mit dein drei Häusern, kann ich verstehen, aber ich finde das richtig.
  • Hans: Wieso das denn. Immer werden die bestraft, die viel arbeiten. Ich will meinen Kindern was vererben und das nicht an die Schmarotzer verschenken.
  • Lotte: Steuern sind Umverteilung, ohne sie gäbe es keine soziale Gerechtigkeit.
  • Hans: Zu viel Steuern, töten die Steuern. Wenn es so weitergeht, dann zieh ich in die USA.

So verschieden diese Situationen sind, eines haben sie gemeinsam: Wir wollen zeigen, dass wir nicht hirnlos irgendetwas tun oder entscheiden, sondern mit guten Gründen unterwegs sind. Wir haben also immer etwas, das wir glauben und begründen wollen. Wie ein solches Argument genau aufgebaut ist, sehen wir im nächsten Teil.

Überblick des Kapitels

Was ist ein Argument?

Wir klären den Aufbau eines Arguments aus Prämissen und Konklusion, führen die zentralen Begriffe ein (Prämisse, Konklusion, Gültigkeit, Stichhaltigkeit) und lernen mit dem Toulmin-Schema ein universelles Modell kennen, das den inneren Bau eines Arguments sichtbar macht.

Arten des Schließens

Mit Deduktion, Induktion und Abduktion lernst du die drei grundlegenden Schlussformen kennen: was sie voraussetzen, was sie leisten und wo ihre Grenzen liegen.

Muster gültiger Argumente

Hier lernst du klassische gültige Schlussmuster kennen, etwa den kategorischen Syllogismus, die Reductio ad Absurdum und das Analogieargument, und übst, sie in Alltagsargumenten zu erkennen.

Gute und schlechte Argumente

Die Fähigkeit, gute von schlechten Argumenten zu unterscheiden, ist eine Kernkompetenz des kritischen Denkens. Wir klären Kriterien wie Relevanz, Wahrheit der Prämissen und logische Stützkraft, damit du im Alltag bessere Entscheidungen triffst und dich gegen Manipulation schützt.

Rhetorik vs. Argumentation

Wir unterscheiden zwischen rhetorischer Überzeugung und argumentativer Begründung und zeigen, wie Emotionen, Stilmittel und Framing wirken und wann sie Argumente stützen oder ersetzen.

Formales und informelles Argumentieren

Wir klären den Unterschied zwischen formalen Schlussregeln der Logik und informellem Argumentieren in natürlicher Sprache und wann welche Prüfstrategie passt.

Argumente analysieren und versteckte Annahmen

Zum Schluss üben wir, ein Argument zu zerlegen, seine Prämissen und Konklusion freizulegen und implizite Annahmen sichtbar zu machen und zu prüfen.