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Argumentum ad Antiquitatem

Kurz

Etwas gilt als richtig, weil es schon lange so gemacht wird.

Alt heisst nicht gut.

Definition​

Beim Argumentum ad Antiquitatem (Traditionsargument) wird eine Behauptung oder Praxis für richtig gehalten, weil sie alt ist oder „schon immer“ so gehandhabt wurde.

Der Fehler: Das Alter einer Überzeugung ist kein Beleg für ihre Richtigkeit. Auch lange gepflegte Bräuche können falsch, überholt oder schädlich sein. (Umgekehrt ist Tradition nicht automatisch falsch — sie ist nur kein Argument für sich.)

Der Fehlschluss hat die folgende Form:

  1. B wird seit langer Zeit geglaubt bzw. praktiziert.
  2. Also ist B richtig.

EN: appeal to tradition / argumentum ad antiquitatem

Verwandtschaft​

  • Argumentum ad Novitatem — das Gegenstück: „neu, also besser“.
  • Argumentum ad Populum — verwandt: nicht „lange“, sondern „viele“.
  • Naturalistischer Fehlschluss — verwandt: von „so ist es üblich“ auf „so soll es sein“.

Beispiele​

Beispiel 1​

„Das haben wir hier schon immer so gemacht — warum sollten wir es ändern?“

Dass etwas lange Praxis war, sagt nichts darüber, ob es die beste Praxis ist.

Beispiel 2​

„Diese Heilmethode wird seit Jahrhunderten angewendet, also wirkt sie.“

Jahrhundertelange Anwendung ersetzt keinen Wirksamkeitsnachweis. Auch unwirksame Verfahren können sich lange halten.

Quellen​

Article en français | Article in English