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Brunnenvergiftung

Kurz

Eine Person wird vorab schlechtgemacht, damit alles, was sie später sagt, unglaubwürdig erscheint.

Den Brunnen vergiften, bevor jemand trinkt.

Definition​

Die Brunnenvergiftung (engl. poisoning the well) ist eine vorbeugende Form des Argumentum ad Hominem: Noch bevor eine Person ein Argument vorbringt, wird sie mit negativen (oft irrelevanten) Informationen belegt, sodass das Publikum sie von vornherein ablehnt.

Der Fehler: Was über die Person gesagt wird, betrifft nicht den Wahrheitsgehalt dessen, was sie anschliessend sagt. Die Vorab-Diskreditierung soll eine sachliche Prüfung verhindern.

Der Fehlschluss hat die folgende Form:

  1. Über Person A wird (vorab) das Negative E verbreitet.
  2. Person A bringt anschliessend die Behauptung B vor.
  3. Also ist B von vornherein unglaubwürdig.

EN: poisoning the well

Verwandtschaft​

  • Argumentum ad Hominem — der Oberbegriff; die Brunnenvergiftung ist die präventive Variante.
  • Suggestive Anspielung — verwandt: ein Verdacht wird ohne Beleg in den Raum gestellt.
  • Genetischer Fehlschluss — Bewertung nach Quelle statt nach Inhalt.

Beispiele​

Beispiel 1​

„Bevor mein Vorredner gleich spricht, sollten Sie wissen, dass er von der Industrie bezahlt wird — urteilen Sie selbst.“

Die Bezahlung mag Anlass zur Vorsicht geben, widerlegt seine Argumente aber nicht im Voraus. Das Publikum wird gegen ihn eingenommen, bevor er etwas gesagt hat.

Beispiel 2​

„Nur jemand ohne Herz könnte den folgenden Vorschlag gut finden.“

Wer dem Vorschlag danach zustimmt, gilt automatisch als herzlos. Die Aussage immunisiert die eigene Position gegen Widerspruch.

Quellen​

Article en français | Article in English