Kein wahrer Schotte
Ein Gegenbeispiel wird abgewehrt, indem man den Begriff nachträglich umdefiniert.
„Kein echter …“ rettet jede Behauptung.
Definition
Beim Fehlschluss „Kein wahrer Schotte“ (no true Scotsman) wird eine allgemeine Behauptung gegen ein Gegenbeispiel verteidigt, indem man die Definition nachträglich verengt: Das Gegenbeispiel zählt angeblich nicht, weil es kein „wahrer“ Vertreter der Gruppe sei.
Der Fehler: Statt die widerlegte Behauptung aufzugeben, wird das Wort „wahr/echt“ eingeschoben und der Begriff so umgebogen, dass das Gegenbeispiel per Definition ausgeschlossen ist. Die Behauptung wird damit gegen jede Widerlegung immunisiert.
Der Fehlschluss hat die folgende Form:
- Behauptung: „Alle A tun (nicht) X.“
- Gegenbeispiel: „Hier ist ein A, das X tut.“
- Antwort: „Kein wahrer A tut X.“
EN: no true Scotsman
Verwandtschaft
- Forderung nach einem Privileg — verwandt: eine willkürliche Sonderregel zur Rettung der eigenen Position.
- Unterscheidung ohne Unterschied — verwandt: die nachgeschobene Umdefinition benennt keinen echten Unterschied.
- Zirkelschluss — verwandt, da die Definition so gewählt wird, dass die Behauptung wahr bleiben muss.
Beispiele
Beispiel 1
— „Kein Schotte gibt Zucker in seinen Porridge.“ — „Mein Onkel Hamish ist Schotte und tut genau das.“ — „Nun, kein wahrer Schotte tut das.“
Das Gegenbeispiel wird nicht widerlegt, sondern durch das eingeschobene „wahr“ einfach aus der Gruppe definiert.
Beispiel 2
— „Ein gläubiger Mensch würde so etwas nie tun.“ — „Diese Person ist gläubig und hat es getan.“ — „Dann war sie eben nicht wirklich gläubig.“
Die Definition von „gläubig“ wird nachträglich so verengt, dass die Behauptung unwiderlegbar wird.